Zu ner Überschrift reicht’s heute nich
Heute Nacht hat mich doch tatsächlich eine Mücke gestochen. Es ist kein verwegener oder großer Stich, wahrscheinlich war es nur eine retardierte kleine Mücke. Aber allein die Tatsache, dass ich hier im gemäßigten Deutschland im Januar noch Angst vor Mückenstichen haben muss, ist seltsam. Das Unangenehmste ist die Stelle des Stiches: nämlich der Daumen. Dieser besteht ja nur aus zwei Teilen und am unteren hat sie mich gestochen. Die Stelle ist ein klein wenig geschwollen und rot und da die Finger ja sehr stark enerviert sind, spüre ich den Stich bei jeder Bewegung.
Globale Erwärmung.
Es gab wohl noch keinen eindeutigen Frost, der den Mücken und ihren Larven den Garaus gemacht hat. Müßig erscheint es mir, sich darüber Gedanken zu machen, denn ich bin weder Wettergöttin, noch Inhaberin irgendeiner anderen Machtposition, die es mir ermöglichen würde, etwas daran zu ändern. Aber dennoch schleicht er sich ein, dieser kleine fiese Gedanke an die globale Erwärmung. Manchmal hege ich tiefe Abscheu gegen diese Leute, die immer und immer die globale Erwärmung thematisieren müssen: “Heyheyhey, hört her, ich weiß was. Ha, globale Erwärmung. Tja, ihr Doofbacken, die ihr euch über das geile Wetter freut. Pah, ihr Ignoranten, das habt ihr wohl nicht bedacht.” Mit so einem tiefgetränkten Ton der Überlegenheit stolzieren sie durch Gespräche und halten uns allen ein riesengroßes “Vor-horsicht – hier is wer, der sich mal so richtig Gedanken zur globalen Lage und überhaupt und so macht.”
Und so will ich nicht sein. Will aber auch nicht so sein, wie die ganzen anderen Vollspacken, die sich nur dümmlich übers gute Wetter freuen und ihre Dummheit durch ihre unverhohlene Freude laut herauszuposaunen wissen. So denke ich heimlich, still und leise vor mich hin und kann nen Mückenstich nicht mit der Würde einer erwachsenen Frau tragen, sondern verschiebe den Fokus und mache mir Sorgen um klimapolitische Feststehensheiten.