Ganesha III

26. März 2007 um 20:27 Uhr

Sie trägt dieses Bild im Kopf und weiß, dass es sehr schwer sein wird, es zu erfüllen, es mit dem eigenen Ich zu füllen. Es mit dem zu beleben, was sie grad ist und geben kann. Das Bild trägt sie seit langer Zeit mit sich und wartet darauf, es ganz zu werden, ganz so zu sein. Blickt es oft verstohlen an und vergleicht, wie nah sie an ihm oder wie weit sie von ihm weg ist. Manchmal macht sich eine ziehende Verzweiflung in ihr breit, quält sich in ihr herauf, lässt sie vergessen, wer sie schon ist, denn die Erfüllung scheint so weit weg. Andere Male denkt sie sich frei von ihm, wünscht es einfach fort. Kümmert sich nicht mehr um die Erfüllung.

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Ganesha II

um 04:29 Uhr

Das Licht der Lampe scheint ganz gelb. Die Nacht hüllt sich dunkel um die Formen, die angestrahlt und erhellt sind. Durch die Nacht erkennt er sie. Sie gibt ihnen durch ihre Dunkelheit noch mehr Glanz und lässt sie erscheinen. Ohne sie würden sie vielleicht untergehen in all dem Licht. Im Abgleich mit ihr, die alles andere in ihr Schwarzes tut, macht das Helle Trost aus. Alle Traurigkeit weicht mit einem Mal aus seinem Herzen und wird von der Nacht verschluckt. Sie bohrt sich gar vielmehr in sein Herz und saugt den Schmerz heraus. Er lässt sich dies gefallen.

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[sic!]

21. März 2007 um 11:12 Uhr

“Es ist immer noch schön, dich zu sehen.” Sie gehen nebeneinander. “Weißt du auch, warum es so schön ist?”, fragt sie ihn und blickt in sein Gesicht. Sie kann nicht aufhören, ihn schön zu finden. Jedes Mal, wenn sie ihn ansieht, sticht ihr seine Schönheit ins Auge und doch ist sie jedes Mal verwundert über genau dieses Empfinden. Es gibt viele Gründe, ihn wunderbar zu finden, sein sie berührendes Aussehen ist aber der unwichtigste Grund. Er bleibt stehen, gräbt die Hände in seine Jackentaschen und reckt den Nacken. “Es ist einfach schön, ich freue mich immer, wenn wir uns sehen. Ich habe so ein tiefes und echtes Gefühl für dich und fühle mich wohl, wenn wir zusammen sind.” Sie ist ihm ein paar Schritte voraus und dreht sich zu ihm um und geht den Weg nun rückwärts. Sie muss lachen. Die Hände in den Taschen, rennt er zu ihr. “Ich frag mich, wieso du dich immer so sträubst, dir zu überlegen, warum etwas so ist, wie es ist? Ich weiß ganz genau, warum wir so prima befreundet sein können.” Sie sagt das und wölbt den Oberkörper nach vorne, eine Geste des Stolzes, der gespielten Überlegenheit. Jetzt lacht er. “Okay, dann sag mir Dummi doch, warum wir uns so mögen.” 

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Auf der Fahrt

11. März 2007 um 16:00 Uhr

Sitzend, guckend – viele Stunden Fahrt. Gedanken an nichts. Vorbeiziehende Lichter und sichtbarwerdender Wind. Ich hinten, bald schlummernd, bald liegend, bald wartend. Blicke in den Ausschnitt des Himmels, der verfügbar ist. Versuche das Unterwegssein in meinem Körper zu spüren. Nur ein leichtes Durchrütteltsein ist fühlbar. Mama, Papa vorne. Sie hält den Gurt ab und sitzt ganz aufrecht, befürchtend ihr Kleid zerknittere sonst. Ein Kleid aus rosa Seide, seidenüberzogene Knöpfe halten es, an den Schultern liegt es in Wellen und zeigt doch ganz deutlich ihre Körperlinien aus Knochen und Muskeln. Das Kleid steht ihr. An jeder Stelle sitzt es so, dass man tief erfreut seinen Blick nicht abwenden mag, da man weiß, dass dieses Kleid nicht besser getragen werden kann, dass es an diesem Menschen seine Erfüllung gefunden hat. Es ist noch nicht einmal ein besonders außergewöhnliches Kleid. Kein spektakulärer Schnitt, keine raffinierte Farbe, keine schmückenden Extras. Es fließt auf ihrem Körper, jedoch ohne lose zu sein. Das Kleid gibt ihr einen Hauch von Unsterblichkeit. Ein perfekter Anblick, der immer gelten könnte und bestimmt alle Zeiten übersteht. So sitzt sie da, kellergefalteter Rock aufliegend auf zarter Haut. Spähe nach vorne – wortlos. Betrachte sie und will mir soviel merken, wie überhaupt nur möglich. Er lenkt mit festem Arm. Viele kleine Stränge von Muskeln werden sichtbar und doch sieht sein Halten so leicht aus. Er lenkt mit einer Hand, die andere ruht auf ihrem Unterarm. So ziehen wir vorbei, vorbei an Wagen, an Gebäuden, an der Welt. Ich beuge mich nach hinten, angelehnt gucke ich auf die Straße. Mein Blick heftet sich an Gegenstände und verlässt sie wieder schnell. Das Hinundher meiner Augen geschieht mit soviel Schwung, dass mit jedem Festhalten und Loslassen ein kleiner Ruck durch meinen Kopf geht. Ich kann meine Blicke nicht lenken. Plötzlich durchzieht mich eine leichte Übelkeit. Jammernd tue ich das meinen Eltern kund.
Mach die Augen zu, dann wird’s besser, sagen sie. Wissend, dass geschlossene Augen nichts nützen, schließ ich sie. Die Musik ist es, auf die ich mich konzentriere. Eine Melodie, viel Rauschen. Das geöffnete Fenster lässt die Luft von innen an der Luft von außen schnuppern. Auch sie rauschen aneinander vorbei, sind Druck auf meinem Kopf. Beuge mich vor, öffne die Augen, setze zum Sprechen an, um darum zu bitten, dass die Musik lauter gestellt wird und schon bricht es aus mir heraus. Mamis Kleid nun wild besprenkelt. Ich muss lachen. Alle Fenster werden nun geöffnet, Ruhe behalten und weitergefahren.

Geliehen

10. März 2007 um 20:55 Uhr

In den Blättern glitzert die Sonne. Sie funkelt eigentlich nicht in den Blättern, sondern durch sie hindurch. Ein recht milder Winter zwang die Bäume nicht zu dem totalen Rückzug ihrer Säfte ins Bauminnere. Einige Blätter hängen also noch. Das ungewöhnlich lange Verbleiben am Baum hat sie löchrig und nüchtern gemacht. Sie tragen eine glanzlose Herbstfärbung, hängen licht und spröde an den Ästen. Durch ihre zerlöcherte Gestalt drängt sich Sonnenlicht und funkelt und flunkert ihnen Schönheit und Anmut an. Alles Genaue verwischt, der Wind unterstützt diese Scharade durch sein unrhythmisches Wehen und Rütteln an den alten Blättern. Man kann ihre Gestalt kaum mehr erfassen, sie könnten einem schön erscheinen. Ihm sind sie schön.

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Entre nous

4. März 2007 um 15:12 Uhr

“Ich fühle mich so sinnlos verliebt. Irgendetwas in mir weiß, dass es bestimmt irgendeinen Sinn trägt und trotzdem schwimme ich mir selber weg.” Sie guckt ihn an und fühlt sich seltsam angezogen von dem, was er sagt. Es geht um Liebe und das ist ihr brennendstes Thema, alles was sie derzeitig interessiert. Das Ärgerliche daran ist nur, dass er nicht sinnlos in sie verliebt ist. Er sitzt ihr gegenüber und blättert in seinem Kalender, kaut an den Nägeln seiner linken Hand und schnappt zwischendrin nach Luft. Er möchte ansetzen und beginnen und neue Gedanken in Laute kleiden, aber dann hält er doch ein.

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