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	<title>www.chin-rest.com - Kurzgeschichten</title>
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	<description>Die Ellenbogen auf den Tisch, die Hände unter's Kinn und lesen, lesen, lesen... intelligente Kurzgeschichten, Texte und Prosa</description>
	<pubDate>Tue, 20 Jul 2010 16:15:21 +0000</pubDate>
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		<title>Litauisch</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Mar 2008 11:34:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fari</dc:creator>
		
		<category>Allgemein</category>

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		<title>Ein Stück</title>
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		<pubDate>Mon, 03 Dec 2007 07:42:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fari</dc:creator>
		
		<category>Allgemein</category>

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		<description><![CDATA[ 	Miras Herz pocht ungewohnt wild. Sie hört die Stimmen noch nachwirken. Sie glaubt ihnen ihre Leichtigkeit nicht. Sie versucht die Körper zu erinnern. Sie bewegten sich sehr leicht, aber ihr war, als würden sie von einem der Leichtigkeit bewussten Geist gelenkt. Eigentlich waren es viel weniger die Stimmen, sondern das eingestreute Lachen, was sie [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> 	<font size="3"><font face="Times New Roman">Miras Herz pocht ungewohnt wild. Sie hört die Stimmen noch nachwirken. Sie glaubt ihnen ihre Leichtigkeit nicht. Sie versucht die Körper zu erinnern. Sie bewegten sich sehr leicht, aber ihr war, als würden sie von einem der Leichtigkeit bewussten Geist gelenkt. Eigentlich waren es viel weniger die Stimmen, sondern das eingestreute Lachen, was sie beeindruckte und gleichzeitig die Präsens der Körper, die sich eben nicht von dem Lachen gebeugt und verzogen gezeigt hatten, sondern alle Festigkeit behielten. Erst jetzt wird ihr bewusst, dass dies wohl sehr schöne, fast perfekte Menschen waren und dass sie sich nicht daran erinnern konnte, jemals zuvor so viele schöne Menschen auf einmal gesehen zu haben. Eine solche Anhäufung von schönen Menschen ist anstrengend. Sie wollte immerzu zu ihnen hinüberschauen, sie erfassen mit ihrem Blick, der an ihnen solches Interesse zeigte, dass er ihr kaum mehr lenkbar schien. Widerspenstig zwangen ihre Augen sie, auf die Münder zu schauen, ihre Gestik zu bewundern und jede Linie ihres Körpers nachzufahren. Jetzt sind sie weg, aber wie alles Schöne, was verschwindet, haben sie eine Leere hinterlassen. Der Raum will ihr Lachen wieder beherbergen, die Luft will mit ihnen um Schwerelosigkeit konkurrieren und von ihrer Hände Bewegung durchschnitten werden. Ihr eigener Blick findet alles, was ihr jetzt noch zum Wahrnehmen übrig geblieben ist, fade und beinahe schon geschmacklos. Ihr Herz pocht so wild, weil es durcheinander geraten ist, weil sie bei ihrem Anblick ganz das Atmen sein gelassen hat und auch, weil es Sehnsucht spürt, weil ihre Schönheit Verlangen in ihm ausgelöst hat.<br />
Verstohlen fasst sie ihren Körper an. Fühlt nach, ob sie ebenso fest und glatt ist. Imitiert das Lachen und ihre Gestik und zwingt ihren Körper elegant dabei zu wirken. Sie steht alleine in der Pausenhalle, niemand ist mehr da. Auch sie hätte mit ihren Freunden nach oben gehen müssen, denn das Stück hatte wieder begonnen, aber sie steht noch immer hier. Als ihre Freunde wieder reingingen, sagte sie, dass sie gleich komme, den Blick auf die Schönen gerichtet. Selbst die Frauen, die Programme verkauft haben, sind längst weg. Immer wieder holt sie Bilder aus der gerade angelangten Erinnerung hervor und erprobt sich selbst und ihre Qualität als schöner Mensch. Obwohl sie sich so ganz leicht vergewissern könnte, tritt sie nicht vor den großen Spiegel. Sie schließt ihre Augen und versucht sich ihrer eigenen Züge zu erinnern. Sie weiß nicht, ob sie zu ihnen gehören könnte. Ihre Mutter hatte ihr den Namen Mira gegeben, von dem lateinischen Wort “miraculum” abgeleitet, was “Wunder” bedeutet. Aber ihre Mutter hatte sich für den Namen entschieden, als sie noch gar nicht hatte wissen können, ob sie wirklich ein Wunder ist. Trotzdem hatte sie diese Gewissheit ihrer Mutter, dass sie etwas Besonderes sei, immer getragen. Hatte ihr geschmeichelt und jedes Mal, wenn sie sich vorstellen musste, huschte ein Lächeln über ihre Lippen, weil ihr wieder bewusst wurde, welchen Namen sie trug. Um hochzugehen und wieder ihren Platz einzunehmen, war es nun zu spät. Aus Filmen wusste sie oder glaubte sie zu wissen, dass die Türen verschlossen wurden, sobald die Vorstellung wieder angefangen hatte. Eigentlich war ihr auch gar nicht mehr danach, das Stück zu Ende zu sehen. Auch das Stück wäre nun fade und langweilig, denn ihre Augen sehnten sich nach dem Glanz, den sie eben ausgemacht hatten. Sie ging die Treppe hoch und hoffte darauf, dass im Gang ein Stuhl stehen würde. <span lang="EN">Dort</span><span lang="EN"> würde sie dann warten.<br />
</span></font></font>
</p>
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		<title>Holterdipolter</title>
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		<pubDate>Fri, 31 Aug 2007 19:47:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fari</dc:creator>
		
		<category>Fehlfarben</category>

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		<description><![CDATA[Unser Blut fließt zäh und brennt in den Adern. Es fließt so unbeirrbar und kennt seinen Weg sicher. Kein allzu heftiges Pulsieren, kein Pochen, kein Unrhythmus. Sicherheit ist es, die es antreibt. Die Sicherheit in uns auserwählt zu sein. Die Sicherheit dem Richtigen zu folgen und zu vertrauen und seiner Festigkeit stets gehorchen zu müssen. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%"><font face="Times New Roman" size="3">Unser Blut fließt zäh und brennt in den Adern. Es fließt so unbeirrbar und kennt seinen Weg sicher. Kein allzu heftiges Pulsieren, kein Pochen, kein Unrhythmus. Sicherheit ist es, die es antreibt. Die Sicherheit in uns auserwählt zu sein. Die Sicherheit dem Richtigen zu folgen und zu vertrauen und seiner Festigkeit stets gehorchen zu müssen. Ein fester Schlag, der das Blut in uns antreibt. Durch nichts sind wir aus der Ruhe zubringen, sind gelassen und schmiegen uns in unser verwundetes Leben. Möchten endlich sein, wozu wir bestimmt scheinen und verstehen kaum, wie das Jetzt mit dem zusammenpaßt, was für uns vorbehalten schien. Das Brennen muss doch einen Grund haben, muss doch Berechtigung genug sein, uns das Recht geben, uns von den anderen so unterscheidbar zu fühlen. Wir gehorchen dem Brennen, das uns wie ein Motor treibt. Es treibt uns an, wir kennen keine Rast. Es war schon immer da. Es ist eins mit uns und kribbelt in uns und manchmal sogar zischt unser Blut in uns wie Magma, die zu Lava werden will, heraustreten will aus unserem Inneren und dann wiederum sich festsetzen will in unseren Blutbahnen und nur noch widerwillig vom Herzschlag getrieben sein will. Nur noch den eigenen Gesetzen gehorchend sich entziehen will aus dem Kreislauf. Und verwundet scheinen wir nur denen, die vom gleichen Schlag getrieben, nur denjenigen, die die Zähigkeit und das Brennen selber kennen. Ein verschworener Blick, der schnell getauscht wird, um dann doch aneinander vorbeizugehen. Ein müdes Aufwallen der gepeitschten Hoffnung, endlich am Ziel zu sein, flackert in uns auf. Endlich den Kreis derer betreten zu dürfen, die ihre Verwundung überstanden haben und denen das Brennen und ihr zähes Blut tatsächlich die Ruhe bringt, die uns jetzt nur vorschwebt. Die Hoffnung darauf nicht mehr darauf warten zu müssen, erkannt zu werden, das erhält das Zischen, Quellen und Brennen in uns. Nicht mehr bangen, sehnen und hoffen auf den Tag, an dem wir Geleit und Ruhe finden. Wir wollen schaffen und dabei endlich ruhen. </font></p>
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		<title>Blau und glänzend</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Aug 2007 14:44:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fari</dc:creator>
		
		<category>Enemenemiste</category>

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		<description><![CDATA[Papas Unterschrift war eine kunstvoll verschlungene Tintenschleife, in einem Zug verband er den Vornamen mit dem Nachnamen und vollendete das Ganze durch einen herrlichen Bogen, den er unter die Buchstaben setzte. Er benutzte stets einen Füller, um zu schreiben. Nur Tinte brächte die Voraussetzungen mit sich, die es bedürfe, um einen wirklich gelungenen Schriftzug zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%"><font face="Times New Roman" size="3">Papas Unterschrift war eine kunstvoll verschlungene Tintenschleife, in einem Zug verband er den Vornamen mit dem Nachnamen und vollendete das Ganze durch einen herrlichen Bogen, den er unter die Buchstaben setzte. Er benutzte stets einen Füller, um zu schreiben. Nur Tinte brächte die Voraussetzungen mit sich, die es bedürfe, um einen wirklich gelungenen Schriftzug zu erzeugen. Er beugte sich über das Blatt, legte das zu unterschreibende Schriftstück in einem 45° Winkel auf den Tisch und malte seine schnörkeligen Buchstaben aus feinster Fingerhaltung und kreisendem Handgelenk. Wenn er seine Unterschrift gesetzt hatte, rückte er das Blatt gerade vor sich und blickte mit einer Mischung aus Zufriedenheit und abwägendem Auge, ob die Unterschrift seinen Ansprüchen genügen könne. Er ließ die Tinte sorgsam trocknen und erst wenn sie mit Sicherheit nicht mehr verwischbar war, legte er das Papier fort. Ich beobachtete ihn, beinahe unfähig zu atmen. Ohne dass es jemals direkt formuliert worden sei, brannten sich die Wichtigkeit des eigenen Namens und die der Niederschrift desselben bei mir ein. Kaum dass ich die Buchstaben zusammenhatte, die meinen Namen ergeben, schrieb ich jeden Millimeter Papier, z. B. in unserer Fernsehzeitschrift oder auf geöffneten, zum Wegwurf bereiten Briefumschlägen, mit ihm voll. <a id="more-54"></a>Ich versuchte seine wunderschöne Unterschrift zu imitieren, leider ähneln sich die Buchstaben meines Namens und seines Namens gar nicht. Zudem erschien es mir sehr undankbar Druckbuchstaben verschnörkeln zu wollen und außerdem war es mir vorerst verboten, einen Füllfederhalter zu benutzen. Die Lehrerin hatte sich so einen Unfug ausgedacht, der sich Füller-Führerschein nannte. Bevor es mir erlaubt war, mit einem Füller zu schreiben, musste ich den rechten Umgang mit demselben lernen. Alle Eltern wurden instruiert auch zu Hause darauf zu achten, dass die Kinder nicht zu früh das Füllerschreiben anfingen. Auf mein Bitten und Betteln zu Hause vor Bestehen des Füller-Führerscheins mit Tinte schreiben zu dürfen, wurde nicht eingegangen. Die Schreibschrift beherrschte ich schon, aber mir blieb das Schreiben mit einem Füller untersagt. Im dritten Jahr besuchte ich nun schon die Schule, als wir endlich anfingen, einen Füller zu benutzen. Jetzt war ich endlich in der Lage, eine befriedigende Unterschrift zu üben. Ich ließ keine Gelegenheit aus, meinen Namensschriftzug zu üben und zu perfektionieren. Ich liebte es, Karten zu schreiben, denn eine rechte Karte will ja unterschrieben sein. Eigentlich war es beinahe grotesk, wieviel Wert ich auf meine Unterschrift legte. Obwohl ich wusste, dass ich eine sehr schöne Unterschrift habe, erschien mir die Qualität der Unterschrift meines Vaters unerreicht. Sein Vorname enthielt so wunderbare Buchstaben, Buchstaben, die man in herrlichster Art und Weise gestalten konnte und daher versuchte ich mich oft stundenlang darin, seinen Namen zu schreiben. Als meine Schwester eines Tages in meinem Zimmer einen Bogen fand, der von oben bis unten Papas Unterschrift vorwies, fragte sie mich, warum ich Papas Unterschrift zu fälschen übte. Erschrocken versuchte ich mich zu rechtfertigen und mir wurde klar, dass man es tatsächlich so ansehen könne, dass ich was Arges im Sinn haben könne. Ihr zu erklären, dass ich nur die perfekte Ästhetik seines Namenszuges bewundere, erschien mir als zwecklos und so versicherte ich ihr bloß, dass ich nichts Übles vorhabe, sondern einfach gedankenlos wohl ein ganzes Blatt vollgeschrieben habe. Meine um vier Jahre ältere Schwester meinte, dass es ja nicht allzu verkehrt sei, einen jüngeren Bruder mit Fälscherqualitäten zu haben, denn vielleicht bräuchte sie selber einmal eine Unterschrift der Eltern, bei Arbeiten, die ihr daneben gegangen seien und so versprach sie, nichts zu verraten, wenn ich ihr dann solch einen Dienst erweisen würde, denn die Unterschrift sei täuschend echt.<br />
Mit Stolz beschaute ich mir nun den Zettel und konnte selbst kaum einen Unterschied zwischen Papas Original und meiner Fälschung finden. Die nächsten Tage und Wochen hoffte ich darauf, dass meine Schwester eine schlechte Note schreiben würde, damit ich an Papas Stelle unterschreiben dürfe, aber leider enttäuschte sie mich. Natürlich mussten auch meine Klassenarbeiten von den Eltern unterschrieben werden, damit die Lehrerin gewiss sein konnte, dass die Eltern Kenntnis genommen hatten, aber leider war ich ein sehr guter Schüler. Keine Arbeit ging mir daneben und ich hätte auch nicht gewusst, wie es bewerkstelligen sollte, dass ich einfach so eine schlechte Note hinbekäme. Es erschien mir aussichtslos, meine Fähigkeit zu erproben.<br />
Als unsere Klassenlehrerin eines Tages einen Religionstest für den morgigen Tag ankündigte; es war eine Art Straftest, da die Klasse im Unterricht nicht brav gewesen war, fasste ich den Plan, diesen Test zu versemmeln. Der Unterricht interessierte mich nur ganz wenig und ich beteiligte mich eigentlich gar nicht, da ich aber in allen anderen Fächern ein sehr guter Schüler war, stand auf meinem Halbjahrszeugnis für das Fach Religion auch ein &#8220;gut&#8221;.<br />
Am nächsten Tag also schrieb ich in dem Test eine Anhäufung von offensichtlich unsinnigem Zeug zusammen und konnte es kaum erwarten, bis wir den Test zurückbekommen sollten. Die Lehrerin ließ sich mit der Korrektur einige Zeit und es mussten zwei Wochen vergehen, bis ich endlich das Resultat erhielt. Mit einer gewissen Enttäuschung legte sie meinen Test vor mich und fragte mich, was denn an dem Tag mit mir los gewesen sei. Ich zuckte nur mit den Achseln und versuchte unschuldig dreinzuschauen. Zu meiner riesengroßen Enttäuschung und Verwunderung war der Test mit einer glatten Vier benotet worden, obwohl keine Antwort passte oder Sinn gemacht hätte.<br />
Meine Eltern hätten sich vielleicht etwas gewundert, dass ich nur eine Vier geschrieben hatte, aber ich konnte nicht davon ausgehen, dass ich für diese Note Schelte erhalten würde, vielmehr könnte es so sein, dass sie mich trösten würden, weil dies meine erste Vier gewesen war. Meine schlechteste Note war bislang eine Zwei.<br />
Aber mein Entschluss war gefasst, ich wollte mein kriminelles Können anwenden. Nach dem Mittagessen schloss ich mich in mein Zimmer ein. Ich holte den Test hervor und ein leeres Blatt. Zuerst übte ich ein paar Mal Papas Unterschrift und als ich so richtig im Fluss war, nahm ich das Arbeitsblatt und setzte dazu an, anstelle meines Vaters zu unterschreiben. Ich krempelte den Ärmel meiner Schreibhand hoch, legte das Blatt in einem 45° Winkel vor mich und beugte mich konzentriert über das Blatt und fixierte die Stelle, die ich beschrieben wollte. Aus meinem Handgelenk kamen die Buchstaben nur so geflossen. Die Tinte glänzte auf dem Papier und viel zu schnell war der Genuss des Schreibens vorüber. Es war eine so herrliche Unterschrift und ich fühlte mich begnadet und zu allem fähig.<br />
Obwohl am nächsten Tag keine Religionslehre auf dem Stundenplan stand, wollte ich so schnell wie möglich mein Werk präsentieren, also ging ich in der kleinen Pause zu dem Pult meiner Lehrerin und hielt ihr die Unterschrift vor.<br />
&#8220;Ach Carsten, du armes Kind, beschäftigt und quält dich die schlechte Note etwa so sehr, dass du mir die unterschriebene Arbeit so schnell wie möglich vorzeigen musst, damit du sie bald vergessen kannst? Ich hoffe, du hast nicht allzu viel Ärger deswegen erhalten. Sag deinem Vater, dass ich diesen Test als Ausrutscher werten werde und dass du deine Zwei behalten wirst. Auch gute Schüler dürfen mal einen schlechten Tag haben. Nun geh und setz dich, die Pause ist schon vorbei.&#8221;<br />
Maßlos enttäuscht und auch ein wenig wütend setzte ich mich wieder hin. Diese dumme Pute hatte noch nicht mal richtig auf die Unterschrift geschaut. Bei einem Mitschüler, der ständig schlechte Noten schreibt, untersuchte sie die Unterschrift immer genaustens und einmal hatte sie sogar nachgefragt, ob das wirklich die Unterschrift seiner Mutter sei. Mir Musterschüler nahm sie wohl alles ab. Jemanden zu täuschen, der keine Aufmerksamkeit darauf verschwendet, ob etwas echt oder unecht ist, ist sinnlos.<br />
Ich wollte jemanden mit meiner Fälschung hinters Licht führen, der eigentlich wissen müsste, dass das nicht die Unterschrift meines Vaters gewesen sein konnte. Als mein Vater am Abend wieder zu Hause eingetroffen war, legte ich meinen Test ins Wohnzimmer auf den Stapel, wo immer die Fernsehzeitschrift lag. Pünktlich nach der Tagesschau griff Papa nach der Zeitung und nahm meinen Test in die Hand. Mein Herz raste, mein Hals schwoll an und ich konnte nur noch stockend atmen. Mir war beinahe so, dass der Druck meines Herzschlages meine Augen aus meiner Augenhöhle herauspressen wollte. In meinem Hals sammelte sich eine Mischung aus Speichel und Magensäure, denn das Abendbrot drängte nach oben, so aufgeregt war ich. Mein Vater schaute auf den Test und hielt ihn mir hin:<br />
&#8220;Carsten, hier liegt ein alter Religionstest von dir. Ich hatte völlig vergessen, dass du schon einmal eine Vier geschrieben hast. Gestern noch habe ich bei Tante Irmchen damit angegeben, dass deine schlechteste Note eine Zwei sei. Du sollst dein Zeug doch nicht so herumliegen lassen. Geh wacker und bring ihn in dein Kinderzimmer.&#8221;<br />
Mit zittriger Hand nahm ich den Test an mich und ich fühlte einen Triumph in mir, ein Glück, eine Freude, die ich noch nie vorher oder später erlebt hatte. Ich schwebte in mein Zimmer und als ich die Tür geschlossen hatte, warf ich mich auf mein Bett und schrie Dinge wie &#8220;Hurra!&#8221;, &#8220;Ich bin der Größte!&#8221;, &#8220;Ich bin ein Fälschkünstler!&#8221; und der weiteren Selbstpreisungen in mein Kissen. Meine Unterschrift schien so echt, dass mein Vater dachte, dass er den Test und die schlechte Note vergessen haben musste, da seine Unterschrift ja seine Kenntnisnahme bezeugte. Ich spürte in mir so unendliche Macht und viele wunderbare Visionen malte ich mir aus, was ich mit solch einer Fertigkeit bewegen könnte. Trotz der großen Euphorie, ließ ich mich von meinem Glückstaumel nicht davontragen, sondern setzte mich gleich an meinen Schreibtisch und machte mich daran, Mamas Unterschrift zu erlernen.</font>
</p>
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		<title>Milchsee und Butterberg</title>
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		<pubDate>Mon, 30 Jul 2007 23:23:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fari</dc:creator>
		
		<category>Zwischenzeilen</category>

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		<description><![CDATA[&#8220;Ich mochte die Untergangsstimmung total. Wie sich das Rot des Himmels über die ganze Welt ausgeschüttet hat. Weißt du, diese eine Szene, als die Frau auf Stöckelschuhen über die Straße gegangen ist und sich der Himmel in dem nassen Kopfsteinpflaster gespiegelt hat? Erinnerst du dich daran? Das absolut Großartige war für mich dann als Goldfrapps [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><font face="Times New Roman" size="3">&#8220;Ich mochte die Untergangsstimmung total. Wie sich das Rot des Himmels über die ganze Welt ausgeschüttet hat. Weißt du, diese eine Szene, als die Frau auf Stöckelschuhen über die Straße gegangen ist und sich der Himmel in dem nassen Kopfsteinpflaster gespiegelt hat? Erinnerst du dich daran? Das absolut Großartige war für mich dann als Goldfrapps &#8220;Utopia&#8221; einsetzte.&#8221; Er redet und gestikuliert und in seinen Augen kann man erkennen, wie er sich die einzelnen Sequenzen vorstellt. Er sprüht vor Leben und redet dabei von einem Untergang.<br />
&#8220;Ich mochte den Film so ein bisschen. Ich erkenne an, dass er sehr gut fotografiert ist und dass alle Schauspieler tatsächlich darstellen konnten, aber ich mag so Geschwängertes – egal wovon – nicht. Mir ist es lieber, wenn explizit ausgedrückt wird, was ausgedrückt werden soll.&#8221; Eigentlich ist der Film so gar nicht ihrer, aber wenn der beste Freund sich ereifert, ist es schwer, nicht wenigstens ein wenig objektiv zu loben.<br />
Thomas greift nach ihrer Hand und schüttelt sie wild, das macht er häufiger.<br />
&#8220;Menno, du bist mir in letzter Zeit zu depressiv. Du kleidest dich nur noch in Schwarzem und hast nicht genug Lebensfreude, einen düsteren Film wertzuschätzen. Wusstest du eigentlich, warum man bei Beerdigungen schwarz trägt?&#8221;<a id="more-53"></a><br />
&#8220;Ich trage doch immer meistens schwarz und ich bin sehr ausgeglichen und ja, das tun die Leute, um sich vor den Geistern der Toten zu verstecken, zu tarnen. Also vielmehr, das taten die Leute, ich glaube nicht, dass jemand heutzutage die Farbe der Trauerkleidung hinterfragt, sondern denken die Leute bestimmt, so wie du, dass die Farbe Unfreude ausdrückt.&#8221;<br />
&#8220;Das ist doof mit dir, immer weißt du so etwas, man kann dich nie erhellen. Du sollst dich jetzt augenblicklich mit mir für den Film begeistern, von mir aus kannst du mir auch erzählen, wo und wann Anschlussfehler waren. Hauptsache ist, dass ich jetzt über den Film reden kann.&#8221; Er gestikuliert und zerrt weiter an ihrer Hand, er gestikuliert mit allen drei Händen. Thomas&#8217; Albernheit ist ein so schönes Geschenk, aber im Augenblick kann sie seiner Aufforderung einfach nicht nachkommen.<br />
Sie möchte gerne mit ihm &#8220;ihr Spiel&#8221; spielen. In dem Spiel müssen sich gegenseitig einen Namen nennen und dann muss derjenige, der die Person ersonnen hat, den anderen fragen, ob er denkt, dass er selber die Person mag. Wenn der Befragte seine Antwort abgegeben hat, dann muss der Befrager sagen, ob sie stimmt und seine Antwort noch begründen. Sobald er abgeschlossen hat, wird der andere noch gefragt, ob er die Person denn mag. Sie liebt das Spiel, weil sie so dazu kommt, über Menschen nachzudenken und bei der Entscheidung darüber, ob man wen mag oder nicht, muss man ganz impulsiv antworten.<br />
&#8220;Thomi, lass uns doch unser Spiel spielen, okay? Ich fang an, okay?&#8221;<br />
Thomas runzelt die Stirn und scheint unwillig, aber er hebt die Schultern und sagt:<br />
&#8220;Na, gut, aber wir haben doch schon alle durchgekaut, hmm, aber wenn es dir gute Laune macht!&#8221;<br />
&#8220;Okay, also. Rate mal: Bernhard!&#8221;<br />
&#8220;Ich soll jetzt sagen, ob du Bernhard magst? Du meinst den Typen, der im selben Haus wohnt wie Nicole 2?&#8221; Sie kennen mehrere Nicoles und haben sie deshalb durchnumeriert.<br />
&#8220;Jaja, genau den. Los! Sag schon!&#8221;<br />
&#8220;Okay, den magst du nicht.&#8221;<br />
&#8220;Doch den mag ich sogar sehr, weil er singen kann. Immer, wenn man Nicole 2 besucht, dann hört man ihn singen. Laut und frei. Und außerdem trägt er immer so lässige Kleidung, das mag ich auch sehr und er hat auch eine schöne Sprechstimme. Ich frage mich immer, wieso Nicole nicht mit ihm anbandelt. Und du? Magst du ihn?&#8221;<br />
&#8220;Nö, kein bisschen und zwar, weil er immer singt und weil er sich zu lässig kleidet. Das ist nämlich gar nicht so toll. Ich kann mir gut vorstellen, dass er vor dem Spiegel steht, seine Hose am Bund schief zieht, sein Hemd so herauszieht, dass es entschlüpft aussieht und am wenigstens kann ich seine moderne Frisur leiden. Ich finde den total doof.&#8221;<br />
&#8220;Aber du kannst das doch gar nicht wissen und warum stört es dich, dass er singt?&#8221;<br />
&#8220;Na, weil er wissen muss, dass er eine gute Stimme hat und weil er weiß, dass man ihn hört und weil er das bestimmt extra macht, um zu gefallen.&#8221;<br />
&#8220;Hmm, okay. Lass uns wen anderen aussuchen. Du bist.&#8221;<br />
&#8220;Andrea.&#8221;<br />
&#8220;Ich soll jetzt einschätzen, ob du mich magst? Das ist doch saudoof!&#8221;<br />
&#8220;Egal, ich will wissen, ob du denkst, dass ich dich mag und bei diesem Sonderfall erweitern wir die Spielregeln: Du musst deine Einschätzung auch noch begründen.&#8221;<br />
&#8220;Oi, Thomiiee, das ist voll peinlich.&#8221;<br />
&#8220;Egal, mach!&#8221;<br />
&#8220;Ja, du magst mich und du magst mich deshalb, weil wir uns schon immer kennen. Weil ich mit dir ein kollektives Gedächtnis habe, weil ich mal total in dich verknallt war und weil du mal total in mich verknallt warst und weil wir es beide geschafft haben, zu erkennen, dass es schlussendlich nur um Freundschaft geht und dass Liebe oft ein projiziertes Eigendefizit ist.&#8221;<br />
&#8220;Du bist soooo irre. Das sind alles Scheißgründe und vor allen Dingen ist es voll hohl, zu denken, dass Liebe Projektion ist. Ich liebe dich und komme ohne dich nicht aus, aber ich sehe genau dich und nicht das, was ich nicht sein kann und durch dich haben will.&#8221;<br />
&#8220;Ja, ich weiß. War doof, was ich gesagt habe, aber du bist selber irre, dass du mich das überhaupt fragst. Wenn ich gewusst hätte, dass unser schönes Spiel so mißbraucht wird, dann hätte ich ja voll gerne über deinen Film geredet.&#8221; Andrea guckt in ihre Tasse, sie spürt, dass ihre Wangen rot sind und sie versucht sich zu erinnern, wo welche Anschlussszenen im Film nicht 100 % korrekt waren, aber sie kann nicht mehr klar denken. Dummer Thomas&#8230;<br />
&#8220;Hey, guck mich an. Ich muss noch sagen, ob ich dich mag und das begründen. Also, ich mag dich und ich mag dich, weil du so schön lachen kannst, weil ich deine Witze nie verstehe und weil man sich auf dich verlassen kann. Und jetzt sag du, magst du dich?&#8221;<br />
&#8220;Ja, ich mag mich, weil irgendetwas an mir ja stimmen muss, wenn ich es geschafft habe, der Welt besten Freund zu haben.&#8221;<br />
&#8220;Bäh, das ist ja unerträglich schnulzig und außerdem keine richtige Begründung. Los sag jetzt sofort, warum du dich mögen kannst.&#8221;<br />
&#8220;Oh, du bist heute echt &#8216;ne Nervensäge. Ich mag mich, weil ich mich selber spüre. Ich weiß, relativ genau, wer ich bin und das macht mir ein gutes Gefühl mir selbst gegenüber. Du bist.&#8221;<br />
&#8220;Nee, gar nicht, du bist.&#8221;<br />
&#8220;Ja, stimmt, okay. Willst du, dass ich dich nehme?&#8221;<br />
&#8220;Nö, will ich gar nicht. Lass uns aufhören. Sag mir lieber, was dich so traurig macht oder lass uns endlich über meinen Film reden.&#8221;<br />
Andrea kratzt mit dem Löffel den Schaum vom Rand der Tasse. Pah, da hat sie gerade den Mund vollgenommen. Ja, sie fühlt sich traurig, aber sie kann nicht sagen, warum. In ihrer Traurigkeit spürt sie sich kaum. Sie kennt sich in dem, was sie will, aber die Traurigkeit, die ist ja nicht selbstgewählt. Sie trauert um nichts, das weiß sie, aber was sie so lähmt und den Unmut erzeugt, das weiß sie nicht. Der Löffel ist ganz beladen mit Milchschaum, sie steckt ihn in den Mund und redet durch den Schaum hindurch:<br />
&#8220;Ich wollte dich ja genau aus dem Grund sehen, weil ich nicht weiß, was mir fehlt. Ich bin irgendwie matt und dabei läuft alles glatt. Matt – glatt.&#8221; Sie hebt die Löffelhand und bewegt die Hand zu dem Reim.<br />
&#8220;Okay, dann lass ich dich jetzt in Ruhe. Soll ich dir gute Laune machen?&#8221;<br />
&#8220;Ja, mach mal.&#8221;<br />
Und Thomas fängt an, zu erzählen. Er erzählt von seiner Umdekorationsidee, die er in seiner Küche vornehmen will und von seiner charmanten Nachbarin und von den aufgebrauchten, aufgekauften Milchseen und Butterbergen. Andrea braucht nur noch ans Atmen denken und alles ist plötzlich genau so einfach und leicht wie das. Thomas redet ein Pflaster auf ihre verkrampfte Seele.</font><font face="Times New Roman" size="3"> </font><font face="Times New Roman" size="3"><font face="Times New Roman" size="3"> </font></font><font face="Times New Roman" size="3"><font face="Times New Roman" size="3"></p>
<p /></font></font>
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		<title>Einschnitt</title>
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		<pubDate>Mon, 28 May 2007 11:27:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fari</dc:creator>
		
		<category>Fehlfarben</category>

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		<description><![CDATA[In den Raum eintauchend, sich selbst zulassen, an sich selbst verglühen, dafür sind wir hier.
Innerlich ganz erfüllt von Musik und Licht. Es ist okay, wenn hier nichts echt sein will, wenn alles nur für den Moment existieren will und es keine Verlässlichkeit kennt. Die verzerrte Dunkelheit, die von diffusen Lichtquellen durchbrochen wird, macht den Zauber [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%"><font face="Times New Roman" size="3">In den Raum eintauchend, sich selbst zulassen, an sich selbst verglühen, dafür sind wir hier.<br />
Innerlich ganz erfüllt von Musik und Licht. Es ist okay, wenn hier nichts echt sein will, wenn alles nur für den Moment existieren will und es keine Verlässlichkeit kennt. Die verzerrte Dunkelheit, die von diffusen Lichtquellen durchbrochen wird, macht den Zauber aus. Lässt uns eintauchen, lässt uns zu, macht ein Verglühen möglich.<br />
Wir gehen weiter. An Menschen vorbei, an Licht vorbei. Der Boden klebt. Das stört den Rhythmus, man versucht den Takt zu halten, so geschmeidig wie es eben geht. Die Augen möchten nachschauen, möchten sehen, was hier verzögert, möchten erkennen, aber das stört die Wellenbewegung, in der wir uns befinden. Die Musik, innen und außen, lässt einen Wirbelwind entstehen, der in gleichmäßigen Bögen um uns schwingt. Die entmündigten Augen werden geweitet, von dem Schein des Rhythmus&#8217; und dem Klang des Lichtes. Werden gezwungen wahrzunehmen, werden zur Verbindung von Erhofften und Realisiertem, machen den Abgleich dazwischen und erfinden die Nuance, die neues Sehnen hervorbringt. Hier verkehren sich die Sinne, erweitern sich hier um die Kenntnisse und Fähigkeiten der anderen. Lassen uns Dinge auf Arten erfahren, die wir für unmöglich hielten. Groß und schön verkriecht sich Eins ums Andere nach außen. Unsere Gefühle werden geweitet und gedehnt. Wir lassen alles aus uns tröpfeln und nehmen doch gleichzeitig auf, einander und die Helligkeit der Töne und die Vibration des Lichtes. Aus einem stillen, leisen Tag sind wir gekommen, uns einzubetten in die Multiplizität des Raumes.<br />
Wir sind hier, die Tiefe des Lichtes zu spüren, wenn es ganz ausgeschlossen wird und nur geckenhaft hier und dort aufflackern darf. Sich durch besondere Formen uns erkenntlich zeigt, sich hochdient in unserer Gunst, durch sein bemühtes Lodern erreichen will, dass es nicht vergessen wird. Es ist schließlich aus dem Raum gebannt und bittet und bettelt, ein wenig den Raum teilen zu dürfen. Wir lassen es uns gefallen. Gucken überdrüssig und selbstgefällig über die Schulter und nehmen seine Verrenkungen wahr, das bemühte Synchronisieren mit unserem Tanz. Haben das Wohlwollen der Umbuhlten, lassen uns unterhalten von der Lichtenergie. Wir, die doch in der eigentlichen Konstellation verbrennen würden an ihr. Finden endlich einen Platz zum Niederlassen. Genau gewählt. Groß und stark, die Energie, die wir aus uns fließen lassen wollen. Holen uns das nächste Element. Lassen es in uns fließen, haben es betäubt und portioniert. Lassen es solange fließen, bis wir unsere Gefühle geteilt haben. Hier ein wenig Güte, dort ein wenig Wohlwollen, einen Seufzer der Verachtung für den nächsten. Wir gefallen uns. Sitzen und genießen. </font>
</p>
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		<title>Lutezia II</title>
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		<pubDate>Sun, 27 May 2007 21:11:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fari</dc:creator>
		
		<category>Uta und Konrad</category>

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		<description><![CDATA[Emils Morgen fühlt sich groß und stark an. Er guckt aus Konrads Fenster und blickt auf die Welt. Heute wird er sie sehen. Konrad schläft noch immer im Sitzen. Die Hände hat er auf seine Schulter gelegt und stützt damit seinen Kopf ab. Seine nackten Füße sehen bläulich aus. Ob das Blut in den Beinen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%"><font face="Times New Roman" size="3">Emils Morgen fühlt sich groß und stark an. Er guckt aus Konrads Fenster und blickt auf die Welt. Heute wird er sie sehen. Konrad schläft noch immer im Sitzen. Die Hände hat er auf seine Schulter gelegt und stützt damit seinen Kopf ab. Seine nackten Füße sehen bläulich aus. Ob das Blut in den Beinen durch das lange Sitzen abgeschnürt ist? Emil geht zu seinem Freund und legt ihm seine Beine hoch auf die Couch. Völlig unbeeindruckt schläft dieser weiter, aber in seinem Gesicht macht sich ein entspannter Ausdruck breit. Dann geht Emil in den Flur und sucht nach dem Wohnungsschlüssel, denn er will Brötchen holen und seinem Freund ein Frühstück bereiten. Im Flur hängt ein kleines Brett, was alle Schlüssel beherbergt, die Konrad besitzt. Es hängen fünf vollgepackte Schlüsselbünde daran. Wieso hat Konrad so viele Schlüssel, fragt Emil sich. Eigentlich egal. Er nimmt einen und probiert aus, ob ein Schlüssel davon ins Schloss passt. Unverhoffterweise passt einer der Schlüssel des ersten Bundes. Emil hatte schon befürchtet, dass er einige Zeit damit verbringen würde, den richtigen Schlüssel zu finden. In der Küche findet er einen leeren großen Rucksack, den er zum Transportieren des Einkaufs benutzen möchte. Es ist schon 10 Uhr und er weiß, dass er sich beeilen muss, wenn er noch eine Auswahl an Brötchen bekommen möchte. Eigentlich verabscheut er ja die SB-Bäckereien, aber der Vorteil dieser Läden ist definitiv, dass ständig alles verfügbar ist. Als er gestern zu Konrad kam, hat er einen solchen Laden gesehen und eine kleine Bäckerei gar nicht unweit davon. Der Bäcker tat ihm leid, denn wie soll er gegen eine solche Konkurrenz anbacken? Emil wird beim Bäcker kaufen. Er schaut in den Kühlschrank, um zu überprüfen, ob genug Käse und dergleichen vorhanden ist. Der Kühlschrank ist vollgestopft mit dem unbeliebten Bier, sonst kann Emil nichts entdecken, außer einer Marmelade. Er guckt ins Regal, in dem Konrads Lebensmittel stehen und entdeckt zumindest Orangensaft, Kaffeeweißer und Instantkaffee. <a id="more-50"></a><br />
Auf dem Gehsteig vorm Haus hat jemand das Moos herausgeschabt, direkt unter Konrads Fenster. Es ist ein stattlicher kleiner Haufen, der richtiggehend aufgetürmt wurde und einem mit seinem Grün ins Auge springt. Gestern als er ankam, war er noch nicht da. Gleich ist es schon 10.30 h und er muss ja einen richtigen Einkauf erledigen. Vielleicht sollte er Konrad wecken und ihn fragen, ob er nicht ein Fahrrad hat. Aber andererseits hat Konrad bestimmt nicht so ausgeruht geschlafen und ziemlich viel Bier getrunken, also lässt er ihn lieber schlafen. Er geht durch die Straßen und versucht sich zu erinnern an die Häuser oder sonst irgendwelche markante Punkte. Als er gestern durch die Straßen ging, hatte er nicht viel Sinn für seine Umgebung, weil er aufgeregt war, Konrad wiederzusehen und überhaupt seine ganze Unternehmung gewagt und verrückt ist. Er erinnert sich an nichts und erkennt auch nichts wieder. Alles sieht so aus, als hätte er es jetzt zum ersten Mal gesehen. Sieben Jahre sind ja nicht wenig Zeit und Konrad hat damals nicht in diesem Stadtteil gewohnt. Sie waren damals alle Studenten und wohnten in den Stundentenvierteln oder im Stundentenwohnheim. Hier war der Teil der Stadt mit den Altbauten. Das Haus, in dem Konrad lebt, ist grundsaniert worden. Jetzt sieht Emil Häuser, an denen seit Jahren keine Renovierungsarbeiten durchgeführt worden sind. Es ist eine sehr schöne Gegend, in der man sicher prima leben kann.<br />
Als Emil den Bäcker erreicht, gibt es tatsächlich nur noch Weizenbrötchen, aber die Verkäuferin rät ihm dazu, ein Vollkornbaguette zu kaufen. Mit dem Baguette, das aus dem Rucksack ragt, verlässt er das Geschäft. Auf der Straße fällt ihm ein, dass er gar nicht weiß, wo der nächstgelegene Supermarkt ist, also betritt er das Geschäft noch einmal und kauft zwei Croissants und fragt die Frau nach einem Supermarkt.<br />
&#8220;Oh, das sind bestimmt 25 Minuten, die Sie laufen müssen, aber der Weg ist nicht so schwierig zu finden. Sie müssen eigentlich immer nur geradeaus gehen, dann sehen sie den Laden schon. Ich habe auch ein paar Frühstückssachen im Sortiment, wenn Sie wollen, können sie auch hier einkaufen.&#8221;<br />
Emil lügt etwas von Katzenfutter und Streu, das er kaufen muss und verabschiedet sich. Als er wieder auf der Straße ist, fällt ihm ein, dass er ihr beim ersten Einkauf gesagt hatte, dass er nur auf Besuch in der Stadt sei, dazu passt ein Haustierbedarfseinkauf nicht wirklich. Eigentlich auch egal. Er findet es immer so lustig, wenn Menschen 25 Minuten Gehweg als lange Strecke darstellen.<br />
Es sind wirklich nur 25 Minuten, die er gehen muss und als er den Laden betritt, läuft &#8220;Ich sang die ganze Zeit von Dir&#8221;. Emil sieht das als gutes Omen. Er geht durch die Gänge und versucht die Kühlregale zu finden. Eigentlich sind Supermärkte immer gleich aufgebaut. An der Wand, die parallel zu dem Eingangsbereich ist, sind die Kühlregale angebracht. So auch hier. Er kauft verschiedene Sorten Käse, denn selbstverständlich ist Konrad Vegetarier. So wie er gestern erzählte, hatte er auch mal versucht, vegan zu leben, aber wenn man das konsequent machen wollte, dann wäre man nur noch damit beschäftigt, die Inhaltsauflistungen der Nahrungsmittel zu studieren oder wenn man Lebensmittel kaufen würde, die als vegan deklariert waren, musste man mindestens den fünffachen Preis bezahlen. Aus dem Grund war er zu seinem Wald- und Wiesenvegetarismus zurückgekehrt und fühlte sich so wenigstens nicht unmittelbar beteiligt an dem Tod der Tiere. Emil läuft noch ein bisschen durch die Gänge, als ihm zwei Frauen auffallen. Eigentlich fällt ihm nur die größere der beiden auf, die die zweite hinter sich herzieht und mit einem Redemarathon über sie einfällt. Er nähert sich ihnen und als er auf die Gezogene blickt, weiß er plötzlich, dass es Uta ist. Sie hat sich gar nicht verändert, also natürlich ist sie sieben Jahre älter, aber sonst hat sie sich gar nicht verändert. Er bleibt stehen und guckt ihr ins Gesicht. Sie guckt zurück in sein Gesicht und guckt erst fragend, dann erkennend. Wie aus einem Mund sagen beide den Namen des anderen. Emil weiß gar nicht, was er machen soll. In seinen Armen trägt er die verschiedenen Käsepackungen, weil er mal wieder vergessen hat, einen Wagen zu nehmen. Er lässt alles fallen und weiß im gleichen Augenblick, dass das bestimmt nicht glimpflich ausgegangen sein kann, aber darum kümmert er sich später. Einem Impuls folgend, geht auf Uta zu, die von ihrer Begleiterin hinter deren Rücken gezogen wird, so als gelte es, einen Verrückten oder ein Untier abzuwehren. Uta drängelt sich nach vorne, stellt ihren Einkaufskorb ab und streckt ihm die Hand entgegen. Er nimmt ihre Hand und lässt sie nicht mehr los. Jetzt steht Uta zwischen den beiden und jeder hat eine ihrer Hände in der eigenen.<br />
&#8220;Das ist so verrückt, dass ich dich treffe. Ich dachte, du seiest weggezogen, zumindest hat mir das mal irgendwer erzählt. Gestern erst und dann heute Morgen habe ich an dich gedacht. Hast du das Lied vorhin gehört? Das hat jemand gestern mit meinem und deinem Namen gesungen. Ich habe es aufgenommen, auf meinem Handy. Willst du mal hören?&#8221;<br />
Emil überlegt kurz und dann zieht er sie an der Hand zu sich und nimmt sie in den Arm, dass ihre Beschützerin ihre Hand loslassen muss. Uta entwindet sich aus seiner Umarmung und die andere Frau fängt an zu reden:<br />
&#8220;Davon ab, dass es sehr unhöflich ist, mich hier so dumm dabeistehen zu lassen, will ich anmerken, dass wir wirklich kaum noch Zeit haben, wir müssen gleich losfahren. Du weißt, dass die Fahrt mindestens fünf Stunden dauert. Wer ist dieser seltsame Kerl denn? Ist das etwa der Emil mit dem du vor Urzeiten dieses kleine Intermezzo hattest?&#8221;<br />
Uta zeigt auf ihre Begleiterin.<br />
&#8220;Ja, tut mir Leid, das war unhöflich, aber ich war so überrascht. Das ist Emil und das ist Monika. Ihr müsstet euch eigentlich aus meinen Erzählungen kennen. Monika und ich fahren heute, also besser gesagt gleich, nach Paris zu einer Finissage.&#8221;<br />
Emil erinnert sich sehr gut an Monika, Utas &#8220;große Schwester&#8221;. Eigentlich sieht sie ganz nett aus. Aber das darf nicht sein, dass sie einfach wegfährt, damit hat er nicht gerechnet, dass sie nicht da sein könnte. Ohne zu überlegen, sagt er, dass er mitkommen wolle. Uta guckt Monika an und die stimmt komischerweise sofort zu.<br />
&#8220;Das ist kein Problem. Wir haben genug Platz im Auto, aber wir wollen wirklich allerspätestens um 1 Uhr losfahren, eher früher. Wo wohnst du denn?&#8221;<br />
Emil guckt Uta an. Eigentlich ist es völlig verrückt, was hier passiert, aber er weiß, dass er mitfahren muss.<br />
&#8220;Ich wohne da, wo jemand Moos aus den Pflastersteinen geschabt hat. Aber leider bin ich zu Fuß und bräuchte mindestens 25 Minuten, um wieder zu Hause zu sein. Außerdem besuche ich meinen Freund Konrad und der weiß ja noch von nichts und vielleicht möchte er ja auch mitkommen. Ginge das denn?&#8221;<br />
Uta guckt wieder zu Monika und die findet, dass es in Ordnung sein, wenn noch einer mitkäme und sie erklärt sich bereit, ihn bei Konrad abzusetzen.<br />
&#8220;Aber jetzt mach&#8217; mal erst die Schweinerei sauber, die du da veranstaltet hast. Wir müssen weiter einkaufen, denn wir haben noch so viel zu erledigen.&#8221;, kommandiert sie in einem sehr professionellen Großschwesterton.<br />
Uta hilft ihm beim Aufsammeln und sie verabreden, dass sie sich in 8 Minuten am Ausgang treffen wollen. Wie in einem Traum geht Emil durch den Laden. Er legt die zerschlagenen Käse auf das Band und die Kassiererin bietet ihm an, sich neue Packungen zu holen, aber erklärt, dass er es selber Schuld sei. Die Kassiererin zieht die undichten Packungen über ihren Scanner und guckt missmutig, als dieser danach verdreckt ist.<br />
Die Frauen warten schon am Ausgang und Monika treibt jetzt sowohl Uta als auch ihn an. Im Auto redet sie ohne Unterlass von Paris und der Finissage. Mit dem Auto ist er ganz schnell wieder bei Konrad. Als er aussteigt verabreden sie, dass die Frauen ihn oder Konrad und ihn in spätestens einer Stunde abholen werden. Als das Auto anfährt, kurbelt Monika ihr Fenster runter und ruft ihm zu, dass er bitte abfahrbereit auf sie warten solle.<br />
Konrad steht unter der Dusche und singt das Tomte-Lied. Emil geht ins Badezimmer und ruft ihm zu, dass er sich beeilen solle, denn sie führen gleich nach Paris.</font>
</p>
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		<title>Lutezia</title>
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		<pubDate>Sun, 27 May 2007 13:25:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fari</dc:creator>
		
		<category>Uta und Konrad</category>

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		<description><![CDATA[Der Morgen begrüßt sie sanft und nicht fordernd, dennoch kann Uta sich nicht dazu entschließen, ihm wohlgesonnen gegenüberzutreten. Sie zieht die Decke über den Kopf und weigert sich, die Augen zu öffnen und das Licht aufzunehmen. Es gibt viel zu viel zu tun. Ihr Magen knurrt. Sie müsste auf der Stelle aufstehen, sich waschen, unsinnigerweise [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%"><font face="Times New Roman" size="3">Der Morgen begrüßt sie sanft und nicht fordernd, dennoch kann Uta sich nicht dazu entschließen, ihm wohlgesonnen gegenüberzutreten. Sie zieht die Decke über den Kopf und weigert sich, die Augen zu öffnen und das Licht aufzunehmen. Es gibt viel zu viel zu tun. Ihr Magen knurrt. Sie müsste auf der Stelle aufstehen, sich waschen, unsinnigerweise das Bett machen - sie macht ihr Bett jeden Tag, obwohl es ihr unnütz erscheint, dabei fällt ihr jedesmal auf, dass die Formulierung &#8220;das Bett machen&#8221; schon seltsam klingt - und dann Einkaufen gehen. Eigentlich mag sie Einkäufe, das hat so etwas von einer Erneuerung, aber als Single muss man sich ständig überlegen, ob das Eingekaufte überhaupt verbrauchbar ist und das ist ein Gegensatz zu früher, als sie noch für zwei Esser einkaufen konnte. Sie denkt an die zwei Sänger von gestern und versucht sich an ihre eigene gestrige Freude zu erinnern, aber sie keimt nicht mehr in ihr auf. Anstatt dass sie dort anknüpfen könnte, denkt sie an den G8-Gipfel. Eigentlich durchschaut sie gar nicht, was da passiert, aber es kommt ihr so vor, als entwickle sich neues politisches Potential oder sie ist einfach sensibler für Bedrohliches, weil in ihr selbst eine ständige Ohnmacht tobt. Ihre ganze Stirn zieht sich zusammen, früher hat sie augenblicklich versucht, sie zu entspannen, weil sie sich vor den Falten fürchtete, jetzt ist es ihr egal. Sie wundert sich nur, dass ihre Stirn sich immer wieder kraus ziehen mag. Welche absurden oder schwierigen Gedanken sind ihrem Hirn denn noch fremd? Seit er fehlt, ist alles unnachvollziehbar und alle Menschen und ihr Handeln erscheinen ihr absurd.<a id="more-49"></a><br />
Das Telefon klingelt. Sie robbt mit halbgeschlossenen aus ihrem Bett und versucht auf dem Display etwas zu erkennen. Es ist Monika. Sie überlegt, was sie tun kann. Geht sie dran oder ruft sie sie lieber nachher zurück? Wenn sie jetzt dran geht, fragt Monika bestimmt, ob sie sie geweckt habe. Das nervt Uta. Monika will immer wissen, was der Angerufene unmittelbar vor dem Telefonat gemacht hat. Das ist so sinnentleert. Utas jetzige Stimme ist ihre Aufwachstimme, gebrochen und schwach und natürlich hört es sich so an, als ob sie gerade geweckt worden wäre. Sie ist ja auch gerade erst wach geworden und hat noch kein Wort gesprochen, aber sie hat keine Lust mit Monika darüber zu sprechen. Monikas Stimme ist immer die gleiche, es gibt keine Karenzzeit. Wenn sie erst mal ans Reden kommt, dann würde Monika bestimmt den gestrigen Abend aus ihr herausquetschen und das will sie gar nicht. Der AB springt an und Monika klingt enttäuscht, sie nicht erreicht zu haben, verspricht aber es gleich mal wieder zu versuchen. Uta wird sie sofort nach dem Einkauf anrufen, denn wenn Monika zurückgerufen wird, fragt sie nicht: &#8220;Na, was hast du so gemacht?&#8221;, sondern fängt sofort an zu erklären, was sie eigentlich wollte.<br />
Warum sie mit Monika befreundet ist, ist schwer und doch sehr leicht zu erklären. Uta mag ihre offene Art und gerade diese Seite stört sie am meisten an ihrer Freundin. Dieses kommunikative Geschick ist Monikas große Gabe. Das positioniert sie in der Welt, denn Monika weiß immer etwas zu sagen. Bestimmt hat sie das einmal sehr anziehend Monika an gefunden, dass sie jeden ad hoc totquatschen kann. Aber da sie sich kennen, weil ihre Mütter befreundet sind, kann Uta nur sehr schwer nachvollziehen, ob es ein Wählen der Freundschaft gab. Schon als sie noch Kinder waren, wurden Viererverabredungen durchgeführt. Monika, die knapp zwei Jahre älter ist, benahm sich immer so, wie eine große nervige Schwester sich benehmen würde. Die Mütter saßen in der Küche und kochten oder machten sonst einen Mütterunsinn und sie musste mit Monika spielen oder Hausaufgaben machen. Aber merkwürdigerweise war sie, als das mit Timo passierte, eine richtige Freundin, denkt Uta und dann zwingt sie sich dazu, den Tag endlich beginnen zu lassen.<br />
Im Supermarkt kauft sie zielgerichtet und lustlos die Dinge ein, die sich bisher als am haltbarsten erwiesen haben. Als sie im Konservengang nach Mais sucht, tippt jemand sie an. Uta dreht sich so erschrocken um, dass ihr Einkaufskorb ihr gegen das Brustbein schlägt und ihr für zwei Sekunden der Atem wegbleibt. Es ist Monika.<br />
&#8220;Hallo!&#8221;, sagt sie, umarmt Uta und drückt dabei auf die Stelle, die schmerzt. &#8220;Ich habe gerade vorhin erst versucht, dich zu erreichen. Ich dachte schon, dass du noch schläfst.&#8221;<br />
&#8220;Nee, ich bin schon etwas länger unterwegs, ich musste noch 1000 Sachen erledigen. Gibt es was Besonderes?&#8221;<br />
Uta fühlt sich immer so unterlegen, wenn sie miteinander reden. Monika kann soviel auf einmal reden, so dass ihr eigentlich nur noch übrig bleibt, darauf zu reagieren. Sie kann sich kaum daran erinnern, dass sie jemals das Gespräch geführt hätte. Außerdem tut Monika immer so, als ob alles so wichtig und dringlich wäre. Es geht immer um Termine oder Wichtigkeiten, die zu erledigen sind oder sonstige Neuigkeiten, die keinen Aufschub dulden. Uta legt ihre Hand auf ihr Brustbein und versucht zu erfühlen, ob etwas gebrochen ist.<br />
&#8220;Also, pass auf! Ich habe etwas total Tolles. Ich bin so froh, dass ich dich hier treffe, so verschwenden wir keine kostbare Zeit. Ich wollte dich fragen, ob du heute mit mir zu einer Finissage kommst. Du erinnerst dich doch, dass ich diesen einen interessanten Künstler kenne und dessen bester Freund feiert heute Abend das Ende seiner Ausstellung.&#8221;<br />
Bestimmt hat Monika den Begriff &#8220;Finissage&#8221; indirekt erklärt, weil sie mich für zu dumm hält, als dass ich wüsste, was das Wort bedeutet, denkt Uta und ist schon wieder genervt.<br />
&#8220;Wo geht es denn dafür hin?&#8221;</font></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%"><font face="Times New Roman" size="3">&#8220;Ja, das ist es ja. Am besten wäre es, wenn wir in spätestens zwei Stunden los könnten, weil wir für die Décroutage nach Paris fahren müssen. Jetzt haben wir gleich schon 11 h, also in allerspätestens zwei Stunden müssen wir los. Wie sieht es aus? Kommst du mit?&#8221;<br />
Was soll denn jetzt eine Décroutage sein, denkt Uta, ich dachte, wir fahren zu einer Finissage. Sie hat überhaupt keine Lust, das ganze Wochenende mit Monika und ihren Besserwissereien verbringen zu müssen.<br />
&#8220;Komm&#8217;, sei nicht so. Ich will da nicht alleine hin und wozu hat man sonst eine beste Freundin oder soll ich lieber Schwester sagen? Décroutage ist übrigens das französische Wort für Finissage, Finissage ist eine deutsche Wortschöpfung und keiner wird dich verstehen, wenn du dort von einer Finissage redest.&#8221;<br />
Okay, ich habe keinen wirklich guten Grund, die Unternehmung abzusagen bzw. die Einladung auszuschlagen, denkt Uta und kratzt sich am Kopf. Monika kann anhand ihrer Einkäufe ablesen, dass an dem Wochenende nichts anderes ansteht. Am Telefon hätte sie wunderbar lügen können oder hätte sie vorhin abgehoben, hätte sie eine Erkältung vorspielen können. Das tut sie manchmal, wenn Menschen die mit ihrer Morgensstimme hören, denn dann hat sie Grund gebrochen und schwach zu klingen. Jetzt bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich Monikas unverständigem Kunstgenuss hinzugeben.<br />
&#8220;Ja, okay, dann lass mich mal meine Einkäufe zurücklegen, die brauche ich ja dann nicht mehr.&#8221;</font></p>
<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%"><font face="Times New Roman" size="3">&#8220;Süße, du hast doch eh nur Konserven und so&#8217;n Zeug, das ist doch alles haltbar. Als ich deine Einkäufe gesehen habe, habe ich schon befürchtet, dass du am Wochenende wegfahren willst, weil eben kein Obst und Gemüse dabei ist. Nee, kauf&#8217; das mal schön ein, du brauchst doch was für die Woche. Oh, wie super, wir können jetzt ja zusammen Proviant für die große Reise kaufen, Schwesterchen. Hast du denn was Gescheites, anzuziehen? Sonst komm doch gleich mit zu mir und ich gebe dir was. Oh, das wird so ein Spaß, Süße.&#8221;<br />
Schon hat Monika sie unter den Arm gepackt und schleift sie hinter sich her. Uta fragt sich, ob Monika sie denn wirklich mögen kann. Ich muss ihr doch unerträglich langweilig vorkommen, denkt Uta. Sie ist immer so ganz Leben und ich bin lahm und unselbstständig und sie muss mich immer antreiben. Aber Monika unterbricht Utas Gedanken durch einen neuen Redeschwall über Paris und die Künstler und die fertige Autobahn. Monika kann sich immer so ereifern, dass eigentlich die Welt um sie herum stehen bleiben wollen könne und es nicht schaffte, weil Monika noch in Aktion ist und alles mitreißt.<br />
Eigentlich ist eine Reise nach Paris eine willkommene Abwechslung und außerdem liebt sie die Sprache und sie mag den Kaffee und die Leute und Großstädte sind sowieso ihr Liebstes. Das Beste daran ist, dass sie mit Timo nie verreist ist. Irgendwie haben es beide nie geschafft, zusammen eine Reise zu machen. Sie sind zwar in der gemeinsamen Zeit verreist, aber irgendwie immer getrennt oder mit jemandem anderen. Daher wird sie nicht alles damit vergleichen, wie es mit ihm war. Ihr Brustbein macht klägliche Versuche, Uta daran zu erinnern, dass es lädiert ist und Schonung bräuchte, aber es liegt sowieso nicht in Utas Hand, das Tempo zu bestimmen. Monika hat das Regiment übernommen.</font>
</p>
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		<item>
		<title>Apnoe</title>
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		<pubDate>Sat, 26 May 2007 09:08:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fari</dc:creator>
		
		<category>Uta und Konrad</category>

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		<description><![CDATA[Konrad schläft im Sitzen auf der Couch. Das Bier und der Tanz haben ihn wohl erschöpft. Sein Kopf ist hochgereckt, im Schoß hält er mit zwei Händen eine Bierflasche, sein Rücken ist ganz lang gestreckt, die Füße sind aneinandergestellt und die Knie weit von einander gespreizt. Dies ist eine absurd gelenkige und verschränkte Art, seine [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%"><font face="Times New Roman" size="3">Konrad schläft im Sitzen auf der Couch. Das Bier und der Tanz haben ihn wohl erschöpft. Sein Kopf ist hochgereckt, im Schoß hält er mit zwei Händen eine Bierflasche, sein Rücken ist ganz lang gestreckt, die Füße sind aneinandergestellt und die Knie weit von einander gespreizt. Dies ist eine absurd gelenkige und verschränkte Art, seine Glieder zum Schlaf auszustrecken. Seine Körperhaltung gibt ihm etwas von einer Comicfigur. Durch den geöffneten Mund atmet er ruhig und tief. Eigentlich müsste seine Atemluft sich reiben und er somit schnarchen, aber er sitzt, atmet und schläft quasi geräuschlos. Er hat die Schultern leicht angezogen und macht einen ahnungslosen Eindruck. Das Lied läuft noch immer, aber für Emil hat es sich schon unauffällig gespielt. Konrad sprach von dem Lied als einem, mit solch einer Kraft, dass er es nunmehr seit annähernd zwei Jahren unentwegt hören könne und sei noch immer nicht desensibilisiert. Es wirke quasi universell, der Text sei eindeutig genug, dass man ihn punktuell anwenden könne, aber dennoch so reichhaltig in seiner Interpretationsweite, dass Konrad damit frohe und traurige Stimmungen untermalen könne.<a id="more-48"></a><br />
Es ist eigentlich noch sehr früh am Abend und in seiner Tasche hat Emil ja den Ausdruck vom Amt. Natürlich hat er die Adresse auch im Kopf, aber trotzdem hat er mehrmals schon die gedruckte Seite hervorgeholt und sie gelesen. Hat sich damit Gewissheit verschafft, dass er sehr kurz vor der Beendigung seiner Suche ist. Die Frau im Amt muss ihm wohl angesehen haben, was er für die gesuchte Frau empfindet und sie sagte ihm, dass er Glück gehabt habe, denn Frau Schnoll sei noch nicht verheiratet. Die Adresse, die er nennen konnte, hatte sie ja schon vor 9 Jahren bezogen und daher wüsste sie nicht, wie lange sie sich nicht mehr gesehen hätten, aber für gewöhnlich seien Frauen in dem Alter häufig verheiratet oder wohnten in einer eheähnlichen Gemeinschaft und Frau Schnoll wohne schließlich allein und sei ledig. Als er das Wechselgeld des 20-Euro-Scheins, mit dem er bezahlte, nicht zurückhaben wollte, reagierte sie beleidigt. Unwirsch legte sie ihm das Geld hin und drehte sich ihrem Rechner zu. Zur Verabschiedung sagte sie ihm bloß ein &#8220;Tag auch&#8221;. Erst jetzt wird ihm klar, wieso sie so reagiert hatte. Sie hatte sich wahrscheinlich Details seiner Geschichte erhofft und selber daher Details vermittelt, die sie wahrscheinlich nicht hätte nennen dürfen. Er hatte aber nur da gestanden, während sie erzählte, hatte keiner ihrer Vermutungen zugestimmt oder ihr die Umstände dargelegt oder irgendeine sonstige Bereitschaft gezeigt, ihr Reden voranzutreiben. Damit, dass er ihr dann auch noch ein Trinkgeld angeboten hatte, fühlte sie sich vielleicht ganz von ihm in die Rolle einer Ausführgehilfin zurückgedrängt. Eigentlich wollte er das nicht, aber andererseits war es ihm auch immer zu dumm, Leuten Sachverhalte darlegen zu müssen. Es war in Ordnung, wie es war.<br />
Einem Impuls folgend greift er Konrad an die Schulter, um ihn daran zu rütteln und ihn dazu zu bewegen, wieder wach zu sein. Aber dann, als er auf seinen Freund guckt, denkt er, dass der gute Konrad sich das Schlümmerchen verdient hat und untersagt seinem Arm die rüttelnde Bewegung. Er geht zu der Musikquelle und stellt Tomte endlich ab. Zuerst ist gar keine Stille, in seinem Kopf läuft die Musik weiter.<br />
&#8220;<span class="fliesstext">Weißt du was du mir bedeutest?/auf einem Platz in meinem Herz /steht dein Name an der Wand /und ich will, /dass du es erfährst./ich werde immer an dich glauben, egal was auch passiert.&#8221; Das hat er all die Jahre für Uta empfunden. Sie war unauslöschbar in ihm. Keine schöne Phantasie, so wie viele andere Frauen, die er erst stürmisch verehrte und die sich dann leider in Gewöhnlichkeit auflösten. Er glaubt an sie. Er weiß, dass er sie versteht, deswegen war es für ihn etwas, was er respektieren wollte, als sie sich nicht bei ihm meldetete. Aus der schönsten Harmonie heraus, aus der tiefsten Leidenschaft, aus der innigsten Zweisamkeit war sie plötzlich entschwunden. Seine zaghaften Versuche, sie zu erreichen, blieben erfolglos. Seltsamerweise löste sich für ihn aber nie das Band zu ihr. Ihr Name bedeutet &#8220;Erbe&#8221;, vielleicht liegt doch eine Wahrheit darin, dass man sagt, Namen sind ein Zeichen, tragen Bedeutung. Er will sie nicht vergessen, er trägt sie wirklich in seinem Herzen. Oft fragt er sich, ob er dazu neigt, sie zu idealisieren. Er kannte sie nur sehr kurze Zeit, aber er weiß ganz genau, dass sie ihm nicht eine Sekunde auf die Nerven gefallen ist. Alles an ihr war erträglich. Sie hatte nichts an sich, wozu er sich quälen musste, es zu ertragen. Obwohl es mit Konrad sehr schön ist, gab es heute schon Situationen, bei denen er sich zusammenreißen musste und sicherlich geht es Konrad nicht anders mit ihm oder Konrad ist nicht die Sorte Mensch, die sich an Menschen stößt. Vielleicht ist es wirklich Angst, dass er noch hier herumsitzt und grübelt und Bier, was er eigentlich gar nicht mag, in sich schüttet, anstatt sie aufzusuchen, aber andererseits hat die Begegnung mit Konrad, der im Übrigen auch kein Bier mag und es nur aus einer Männerfreundschaftsidee heraus besorgt hatte, sehr viele überraschende und schöne Momente, dass er nicht sofort zu Uta stürmen möchte. Jetzt wo Stille ist, kommt der Schlaf über ihn. Es mag zwar noch nicht so spät sein, aber andererseits hat er den Tag ja auch schon so früh begonnen. Bier macht müde und schmeckt nur leidlich. Er stellt seine Flasche auf den kleinen Acryltisch neben sich, nimmt Konrads Flasche aus seinen Händen und stellt sie zu seiner. Konrads Hände bilden noch immer einen Ring. Er hebt Konrads Kopf und stopft ein Kissen dahinter. Der Mund des Freundes schließt sich. Er zieht eine Decke aus einer Holzkiste hervor und deckt den Freund zu. Die Decke ist zu klein, als dass er neben ihm sitzend auch unter ihr schlafen könnte und leider gibt es nur die eine. Also schmiegt er sich an seinen Freund, lehnt seinen Oberkörper an ihn und zieht die Beine seitlich auf die Couch. Verteilt die Decke noch gerecht. Löscht mit der Fernbedienung das Licht und schlummert augenblicklich ein. Im Halbschlaf läuft das Lied wieder in seinem Kopf. Ob er wohl Morgen auch noch so textsicher ist? Es ist wirklich ein sehr schönes Lied und er ist Konrad dankbar dafür, dass er es ihm so eindringlich empfohlen hat und er damit angefangen hat, dazu zu tanzen. Schön, Musik zu teilen. Eine Zeile wiegt Emil in den Schlaf: &#8220;</span>Mein betrunkenes Gestotter/durch die Straßen/durch die Gassen weht ein heißer Wind/der nur sagt/bitte bleib am Leben&#8221;<br />
Vielleicht in 1 km Luftlinie entfernt, sitzt Uta in ihrer Wohnung in der Kastanienallee und hört das gleiche Lied. Sie denkt an den roten Wurm und den Gesang und den schweren Himmel. Bis jetzt hat sie sich nicht getraut, die Aufnahme anzuhören und nachzuprüfen, ob da wirklich jemand ihren Namen gesungen hat. Eigentlich ist es ja auch egal, ob sie sich das eingebildet hat und wenn es sowieso egal ist, dann kann sie auch nachhören. Sie holt ihr Telefon hervor, stellt die Musik leiser, sucht die Datei und drückt auf &#8220;Abspielen&#8221;. Die Aufnahme ist überraschend gut und sie hört wie jemand singt: &#8220;Ich sang die ganze Zeit von Uta&#8221;. Merkwürdigerweise erstaunt sie das gar nicht so sehr. Als noch 7 Sekunden der Aufnahme verbleiben, hört sie eine zweite Stimme, die singt: &#8220;Emil sang die ganze Zeit von Uta&#8221;. Sie spult zurück und wirklich, da singt jemand, etwas ungekonnter als die erste Stimme, aber dafür mit mehr Kraft: &#8220;Emil sang die ganze Zeit von Uta&#8221;. Sie ist froh, dass sie das nicht schon dort gehört hat, denn dann wäre ihr sicherlich noch verwirrter zumute gewesen. Ein schöner, seltsamer Zufall. Sie kannte ja einmal selbst einen Emil. Das kommt ihr sehr lange her vor, obwohl es maximal 8 Jahre sein dürften. Emil Fingerhut. So schön, dass sie das heute erlebt hat, denn nun tut das Lied ihr nicht mehr so weh. Sie kann es ab jetzt hören und an den klopfenden Besenstil denken, an das freche &#8220;Nö&#8221;, an den lauten Tanz, an den seltsamen Schein, der aus der Wohnung drang und an die zwei ungesehenen Männer, die zusammen etwas feiern. Es ist egal, wer nun diese besungene Uta sein mag und sie hat keine Lust sich zu fragen, ob einer der beiden wohl ein Emil ist. Was für sie zählt, ist die Erkenntnis, dass das Leben so oder so weitergeht, dass nicht nur alles Schmerz und Verzicht ist, dass für andere Menschen ihr Lied ein Lied ist, das Freude und Lebenslust transportiert. Sie muss lachen, kein gequältes oder abgerungenes Lachen, nein, sie lacht aus richtiger Freude und Erlösung.</font>
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		<title>Pawlow</title>
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		<pubDate>Fri, 25 May 2007 06:28:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Fari</dc:creator>
		
		<category>Uta und Konrad</category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p class="MsoNormal" style="margin: 0cm 0cm 0pt; line-height: 150%"><font face="Times New Roman" size="3">Sein Kopf ist voller brausefroher Ideen. Er malt sich aus, wie er sie finden wird. Eigentlich wollte er ja noch heute zu ihr, aber Konrad riet ihm &#8220;erst einmal anzukommen&#8221;. Jedem anderen trüge er den Gebrauch dieser Formulierung nach, weil dieses angeratene Ankommen so, na ja, so idiotisch ist. Man ist doch schon sowieso da. Als Konrad das so formulierte, merkte er, wie er zusammenzuckte, aber er brachte die Kraft auf, dem Rat zu folgen und nicht nur angewidert zu sein, von der Floskel. <a id="more-47"></a>Er weiß so deutlich, dass er seinem Glück auf der Spur ist. In ihm ist Gewissheit, dass er ihn wiederfindet, diesen einen Menschen, der ganz ausschließlich zu ihm gehört. Ein einziger glücksdurchschäumter Moment ist der Gedanke an sie, der ihn in seinem bunten Durcheinander ganz erfüllt. Er blickt hoch, seine Augen blicken um sich und liebkosen die Welt, die im Augenblick aus der Wohnung seines Freundes besteht. Sie bleiben an Gegenständen hängen, saugen sich an Farben fest, erkennen die Schönheit und sind doch nicht in der Lage, wirklich etwas wahrzunehmen. Ganz glückstrunken vergessen sie das Gesehene im selben Augenblick. Er fühlt sich wohl hier, alles umgibt ihn, er braucht nichts wahrzunehmen, es ist in ihm. Er mag Konrads Räume. Sie wirken in sich geschlossen. Er hat alle Türen herausgenommen, so dass man von einem Raum in den nächsten Blicken kann. Die Fenster und die Läden hat er in bunten Farben gestrichen, was besonders von außen sehr schön aussehen muss, denn durch die kräftigen Farben, in denen er seine Wände gestrichen hat, dringt ein warmes, dichtes Licht aus Konrads Wohnung in die große Welt, durch diese bunte Luken eben. Er schließt seine Augen, und es ist beinahe so, als versinke er in eine innere Ohnmacht. Langsam taucht er in sich ein, ist ganz bei sich selbst, spürt sich selbst zum ersten Mal seit Jahren ganz bei sich und steigt dann wieder auf. Hat soviel Ruhe und Gelassenheit. Könnte von jetzt an, nur noch darin existieren, sie zu erfühlen. Jedes andere Gefühl, das er jemals hatte, kommt ihm so klein vor. Alles, was an Gewissheit in ihm ist, ist das Vorhandensein seines Glücks, seiner Vorfreude auf die Begegnung mit ihr. Nichts anderes. Sein Freund Konrad, mit dem er nach vielen Jahren ungehindert dort weitermachen kann, wo es damals mit ihnen aufgehört hat, sitzt ruhig neben ihm. Sie beide sind noch ganz erhitzt von ihrem wilden Tanz. Das Lied läuft mit leiserem Ton noch immer in einer Endlosschleife, aber sie hören nicht mehr hin. Unter ihnen sitzt nun wahrscheinlich auch ein Nachbar, der seinen Kreislauf beruhigen muss. Der arme Mensch hat eine viertel Stunde mit einem Besenstil an die Zimmerdecke klopfen müssen, bevor Konrad es für angebracht hielt, die Hausordnung zu befolgen und den Lärm einzustellen. Wenig Mitleid hatten sie mit ihm und auch jetzt sieht Konrad nicht so aus, als befürchte er das Ende einer guten Nachbarschaft. Er streckt sich gerade genüsslich neben Emil und gähnt ausgiebig.<br />
&#8220;Sag mal, sollen wir nicht &#8216;ne Flasche Bier runterbringen?&#8221;<br />
&#8220;Und die dann auch noch mit dem Langeweiler trinken?&#8221;, fragt Konrad entnervt. &#8220;Nee, wir können uns vielleicht morgen entschuldigen oder besser noch: überhaupt nie, weil es ja wohl kaum etwas Ekeligeres gibt, als Leute mit dem Besenstil zu drangsalieren. Aus welchem schlechten Film hat der Idiot das denn abgeguckt? Die Lausbuben aus der ersten Bank? Man darf die Leute nicht belohnen für ihr schlechtes Benehmen. Wenn ich jetzt runtergehe und ihm ein Bier schenke, dann konditioniere ich doch in ihm die Verknüpfung von aufdringlichem Verhalten und folgender Belohnung, oder? Aus dem Grund habe ich ihn auch eine Zeit lang klopfen lassen und hast du es nicht gemerkt, dass er nachher sogar im Takt des Liedes geklopft hat? Schien ihm Freude zu machen. Das ist ein prima Lied und vielleicht summt er es gerade jetzt vor sich hin. Der soll sich mal freuen, so einen lebendigen Nachbarn zu haben.&#8221; Konrad erscheint ihm großartig, er ist so unverwundbar und unantastbar, auch wenn er manchmal eine Spur zu esoterisch ist, aber im Großen und Ganzen ist er ein feiner Kerl. Es macht Spaß, mit ihm Zeit zu verbringen und vor allen Dingen hat er die Bereitschaft, Komplizenschaft mit ihm zu teilen in der Unternehmung &#8220;Uta&#8221;. Als Emil vorhin ihren Namen sang, hat Konrad, wie diese Disco-Gruppe YMCA, die Buchstaben ihres Namens getanzt. Sie sind beide erwachsene, eingebundene Männer und es ist einfach schön, dass er sich die Zeit nimmt, das Wochenende mit ihm zu verbringen und ihm auf seiner Suche zu helfen.</font>
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